Atomkatastrophe von Fukushima

Drei Jahre nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist die Lage keineswegs entspannt. Regelmäßig erreichen uns Nachrichten, dass Unmengen von verseuchtem Wasser ins Meer fließen. Die Kühlsysteme fielen immer wieder aus und vom schwer beschädigten Reaktor 4 soll weiterhin eine immense Gefahr ausgehen. Die Strahlenbelastung für die Menschen in der Region um Fukushima ist extrem hoch. Würde man die gleichen Maßstäbe anlegen, wie sie 1986 nach dem schweren Atomunfall im belorussischen Tschernobyl galten, müssten 1,6 Millionen Menschen, darunter 360.000 Kinder, evakuiert werden, heißt es in einem Medienbericht. Die Krebsrate bei Jugendlichen aus der Region ist einer Untersuchung zufolge 30 Mal höher als im Rest Japans. Die Regierung bestreitet jeden Zusammenhang der Krebserkrankungen mit dem Reaktorunglück.

Nach einem der stärksten jemals gemessenen Erdbeben und einem dadurch ausgelösten Tsunami mit einer zehn Meter hohen Welle kollabierten am 11. März 2011 mehrere Kühlsysteme im japanischen Atomkraftwerk Fukushima. Es folgte eine Unfallserie in ­den Reaktorblöcke 1 bis 4, bei der erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden. In Reaktor 2 kam es wahrscheinlich zu einer teilweisen Kernschmelze. Die langfristigen Folgen für das dicht besiedelte Japan sind nicht absehbar. Mit der Atomkatastrophe in Fukushima hatte sich der Streit über die Zukunft der Atomenergie auch in Deutschland zugespitzt. Einen Monat nach der japanischen Atomkatastrophe verkündete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Energiewende. Deutschland soll den Einstieg ins Zeitalter der regenerativen Energien so schnell wie möglich vollziehen.

Das Beben ereignete sich am 11. März 2011 (15.26 Uhr Ortszeit) 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Die Stärke des Bebens revidierte die Behörden in Tokio von 8,8 auf 9,0 nach oben. Danach überschlagen sich die Schreckensmeldungen aus Japan: Durch das gewaltige Erbeben und den dadurch ausgelösten Tsunami sind in Japan tausende Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl ist noch immer nicht bekannt. Bis zum Februar 2012 wurden 15.846 Tote gezählt, es werden aber noch immer über 3.000 Menschen vermisst. Mehr als 500.000 Menschen konnten fliehen und waren in Notunterkünften untergekommen. Große Landstriche waren verwüstet. 

Nach Angaben von Wissenschaftlern hat die Wucht des Erdbebens die japanische Hauptinsel um 2,4 Meter verschoben.

Premierminister Naoto Kan bezeichnete das verheerende Erdbeben als die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als 1.400 Notlager wurden in fünf Präfekturen des Landes unter anderem in Schulen und Gemeindehäusern eingerichtet, 100.000 Soldaten unterstützten zunächst die Rettungsarbeiten. Die Regierung schätzt die Kosten der Katastrophe auf bis zu 310 Milliarden Dollar.

Die Erschütterungen waren auch in der Hauptstadt Tokio deutlich zu spüren. Die Wolkenkratzer der Innenstadt, die erdbebensicher gebaut sind, schwankten, hielten aber dem Erdbeben stand.

Nach Erdbeben und Tsunami kämpfte Japan mit einer dritten Katastrophe in Folge: einer atomare Verstrahlung im Atomkraftwerk Fukushima, deren Ausmaß nicht abzuschätzen ist.

"Katastrophaler Unfall" im Atomkraftwerk Fukushima

In dem Atomkraftwerk Fukushima fiel nach dem Tsunami das Kühlsystem bei vier Reaktoren aus, der Kühlwasserstand sank. Trotz der verzweifelten Versuche der japanischen Techniker, die Lage in den Reaktoren mit großen Mengen Meerwasser und Borsäure in den Griff zu bekommen, kam es zu einer übermäßigen Erhitzung der Reaktorkerne. In den Reaktoren 1 bis 4 kam es zu mehreren Wasserstoffexplosionen und Bränden, durch die die Reaktorgebäude erheblich beschädigt wurden. In drei Blöcken sind die Brennstäbe schon am ersten Abend nach dem Erdbeben geschmolzen. Das nukleare Brennmaterial liegt vermutlich zu Klumpen geschmolzen auf dem Reaktorboden. Die vier Reaktorblöcke sind noch immer nicht unter Kontrolle. Die Lage in Fukushima bleibt unvorhersehbar. Die Arbeiter vor Ort versuchen die nukleare Katastrophe einzudämmen, doch radioaktives Wasser erschwert ihr Bemühungen.

Die Betreibergesellschaft "Tepco" teilte mit, frühestens in sechs bis neun Monaten könnten die Reaktoren dort stabilisiert sein. Allein drei Monate würde es demnach dauern, die Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken sicherzustellen.

Bei einer Kernschmelze erhitzen sich die Brennstäbe so stark, dass sie ihre feste Form verlieren. Im Endstadium bahnt sich der geschmolzene Kern seinen Weg durch die Reaktorwände, der Druckbehälter kann bersten und dadurch Radioaktivität freisetzten. Damit wird - wie bei der Katastrophe von Tschernobyl 1986 - eine große Menge Radioaktivität freigesetzt - mit unabsehbaren Folgen. Nach offiziellen japanischen Angaben sollen in Fukushima bisher zehn Prozent der Menge an radioaktiven Substanzen freigesetzt worden sein wie in Tschernobyl.

Durch die atomaren Unfälle in Fukushima wurden große Mengen von radioaktiven Partikeln und Strahlung freigesetzt. In Böden, Nahrungsmittel, Leitungswasser und Meerwasser im weiten Umkreis wurden um ein Vielfaches erhöhte Strahlenwerte gemessen. Nachdem zunächst die Bewohner im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert wurden, hatte die Regierung auch den Menschen im Umkreis von 30 Kilometern geraten, das Gebiet zu verlassen. In der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks Fukushimas lebten vor dem Unglück mehr als 200.000 Menschen: rund 70.000 Menschen im Umkreis von 20 Kilometern, weitere 130.000 in der angrenzenden Gegend bis zur 30-Kilometer-Linie. Doch auch außerhalb dieser Zonen hatte man in verschiedenen Orten stark erhöhte Radioaktivität nachgewiesen. Abhängig vom Wind und den Niederschlägen kann es an bestimmten, auch weiter entfernt gelegenen Orten zu stark erhöhter Radioaktivität kommen.

Monatelang verfolgte die Welt den GAU von Fukushima, der sich nach und nach von einem "ernsten" Störfall zum „katastrophalen Unfall“ der Tschernobyl-Kategorie entwickelt hat. Die Ereignisse in Fukushima wurden inzwischen von den Atomaufsichtsbehörden auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse vom „ernsten Unfall“ (Stufe 5) über die Stufe 6 „schwerer Unfall“ auf die höchstmöglichen Einstufung als „katastrophaler Unfall“ (Stufe 7) hochgestuft und damit mit dem Super-Gau von Tschernobyl gleichgesetzt.

Neun Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan hatte die Regierung das havarierte Kernkraftwerk Fukushima für "sicher" erklärt. Die Temperatur bleibe in den Reaktoren unter 100 Grad, aus dem Atomkraftwerk trete nur noch wenig Radioaktivität aus. Das Ziel, die Reaktoren bis zum Jahresende in einem sogenannten "cold shutdown"(Kaltabschaltung) unter Kontrolle zu bringen, sei nun erreicht.
Umweltschützer kritisieren das als Irreführung der Bevölkerung. Von einem sicheren Zustand seien die Reaktoren noch weit entfernt. Experten warnen, dass die Kaltabschaltung bis zu drei Jahrzehnte dauern kann.

Im April 2012 hatte die japanische Regierung erste Einschränkungen aufgehoben. Manche Zonen dürfen wieder betreten werden, wenn auch nur für kurze Zeit. In der ganzen Region Fukushima werden acht Milliarden Euro ausgegeben, um evakuierte Gebiete, die nicht zu sehr verstrahlt wurden, wieder bewohnbar zu machen.

Im Juni 2012 bezifferte der Kraftwerksbetreiber Tepco die Gebiete mit einer Belastung von mehr als 20 Millisievert (stark kontaminiert) in der Präfektur Fukushima auf 525 Quadratkilometer, die mit mehr als fünf Millisievert auf 1.800 Quadratkilometer.  Von stark kontaminierten Feldern wurden die obersten 5 Zentimeter Erde abgetragen. Die anderen Äcker wurden bis in 20 Zentimeter Tiefe umgepflügt. Hunderttausende Müllsäcke mit strahlendem Abfall lagern inzwischen auf Feldern. Es gibt bisher kein Zwischenlager für den kontaminierten Müll, geschweige denn ein Endlager.

Zwei Jahre nach der Katastrophe sind nur noch zwei von 54 Atomreaktoren Japans am Netz. Grund: Die meisten werden einem Stresstest unterzogen oder sie befinden sich in Wartung. Ob und wann sie jemals wieder Strom produzieren ist offen. Als Folge der Abschaltung sind die Energiepreise in Japan stark gestiegen.

3 Jahre später fließt immer noch verseuchtes Wasser ins Meer. Die Kühlsysteme fallen regelmäßig aus und die Strahlenbelastung für die Menschen in der Region ist sehr hoch. Im Vergleich zum Rest Japans erkranken mehr Jugendliche in der Region an Krebs.

Viele Probleme sind auch auf dem Reaktorgelände ungelöst: Regen- und Grundwasser dringt in die Anlagen ein. Und niemand weiß, wo die Leckagen sind, an denen das hoch kontaminierte Wasser immer noch herausläuft. Gewaltige Mengen radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Kühlung lagern in Tanks, bislang rund 250.000 Kubikmeter. Und jeden Tag kommen weitere 800 Kubikmeter hinzu. Wie das Wasser dekontaminiert werden kann ist bislang offen. Der Atommüll, der bei den Aufräumarbeiten auf dem Gelände entsteht soll, nach Belastung sortiert, an verschiedenen Stellen auf dem Gelände in Zwischenlagern untergebracht werden.

Wie groß die Verunsicherung der Menschen immer noch ist, belegen erste Untersuchungsergebnisse des Medical Health Survey, mit dem die japanische Regierung die Gesundheitsfolgen des Unfalls bei zwei Millionen Menschen verfolgen lässt. "Etwa die Hälfte der Tepco-Arbeiter zeigen sehr starke Symptome der Depression und Verzagtheit, und in der Bevölkerung gibt es ähnliche Hinweise". Ein Fünftel der Evakuierten ist traumatisiert.

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Diskussion über Atomenergie

Die Atomkatastrophe von Fukushima heizte in Deutschland die Debatte über die Atompolitik neu an. Kurz vor den drei Landtagswahlen im März 2011 änderte die schwarz-gelbe Bundesregierung überraschend schnell ihre Atompolitik. Schon am 14. März, drei Tage nach dem Erdbeben, beschloss sie die Aussetzung der Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke. Während eines dreimonatigen Moratoriums sollte die Sicherheit der 17 deutschen Kernkraftwerke noch einmal überprüft werden.

Erst im September 2010 hatte die CDU-FDP-Regierungskoalition ein neues Energiekonzept vorgestellt, das eine Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke beinhaltet. Der schwarz-gelbe Kompromiss, der am 28. Oktober 2010 vom Bundestag verabschiedet wurde, bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen, da Reststrommengen von alten auf neuere Meiler übertragen werden dürfen und wartungsbedingte Produktionsausfälle nachgeholt werden können. Dadurch erhöht sich die Regellaufzeit der Atommeiler auf 40 bis 46 Jahre.
Bisher galt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Rot-Grün hatte sich im Jahr 2000 mit den vier Energieriesen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall auf einen Atomausstieg geeinigt. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen. 

Der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) begründete die plötzliche Kehrtwende der Regierung damit, dass es in Japan Annahmen für den Bau von Kernkraftwerken gegeben habe, die durch die Natur übertroffen wurden. Deshalb stelle sich auch in Deutschland die Frage: "Stimmen jetzt unsere Sicherheitsannahmen oder müssen wir nicht noch schärfere Annahmen machen?" In Japan habe sich "das berühmte Restrisiko" realisiert, sagte Röttgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan eine Aussetzung der Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke bekannt gegeben. Dieses "Moratorium" gelte für drei Monate. Die deutschen Atommeiler sollen einer neuen Risikoanalyse unterzogen werden. "Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, und wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte die Kanzlerin. Die japanischen Ereignisse lehrten, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, dennoch eintreten könnten.

Für die Zeit des Moratoriums wurden die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke sowie der Reaktor Krümmel vom Netz genommen. Von dem vorübergehenden Abschalten waren die Atommeiler Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 in Baden-Württemberg, Isar 1 in Bayern, Biblis A und B in Hessen, Unterweser in Niedersachsen und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein betroffen. Zudem blieb das AKW Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz getrennt.

Die Atommeiler Krümmel, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1 und Isar 1 sollen nach dem Willen der jeweiligen Landesregierung dauerhaft abgeschaltet bleiben.

Die Opposition kritisierte den plötzlichen Kursschwenk der Bundesregierung als nicht glaubwürdig. Die SPD warf der Regierung aufgrund der bevorstehenden Landtagswahlen politischen Opportunismus vor. Wer tatsächlich mehr Sicherheit und zukunftsfähige Energiestrukturen wolle, der müsse die ältesten Reaktoren sofort endgültig abschalten und die Laufzeiten der restlichen verkürzen.

Die während des Moratoriums vorgesehene Überprüfung der Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke sollte von einer Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) durchgeführt werden. Die Experten der RSK hatten einen Anforderungskatalog zur Sicherheitsüberprüfung verabschiedet. Untersucht werden sollte die Sicherheit der Kernkraftwerke bei Erdbeben, Hochwassern, Flugzeugabstürzen, Terrorangriffen, Computerangriffen, der Freisetzung von giftigen und explosiven Gasen und die Auswirkungen eines Unfalls in einem Block auf den Nachbarblock. Bis zum 15. Mai 2011 sollte das Gremium dem Umweltministerium einen Bericht vorlegen. Das Moratorium dauerte zunächst bis Mitte Juni. Dann musste die Bundesregierung entscheiden, welche Kernkraftwerke dauerhaft stillgelegt werden.

Der Energiekonzern RWE hatte währenddessen vergeblich Klage gegen das vorläufige Abschalten des Atomkraftwerks Biblis eingereicht. Diese richtete sich gegen das Land Hessen, das eine einstweilige Einstellung des Betriebs für drei Monate angeordnet hatte.

Atom-Laufzeiten werden gestaffelt
Schwarz-Gelb einigt sich auf neues Energiekonzept
Foto: LMZ Baden-WürttembergDie schwarz-gelbe Regierungskoalition hat sich am 5. September 2010 auf ein neues Energiekonzept, das eine Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke beinhaltet, geeinigt. Die Staffel-Lösung sieht vor, dass ältere Kernkraftwerke acht Jahre, neuere Kernkraftwerke 14 Jahre länger betrieben werden als bisher geplant. Im Gegenzug werden die Stromkonzerne mit Milliardenzahlungen zur Kasse gebeten. ...mehr

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Energiewende

Einen Monat nach der japanischen Atomkatastrophe verkündete Kanzlerin Angela Merkel die Energiewende. Deutschland soll den Einstieg ins Zeitalter der regenerativen Energien so schnell wie möglich vollziehen. 

Der Wechsel hin zu erneuerbaren Energien ist allerdings umstritten. Uneinigkeit herrscht etwa beim notwendigen Ausbau der Netze, um den Ökostrom aus Windparks über Land zu transportieren. Heftig debattiert wird auch darüber, wie viel die Energiewende die Bürger kosten wird. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warnte die schwarz-gelbe Regierung davor, die Energiewende über höhere Strompreise zu finanzieren. "Es geht nicht, dass die Bundesregierung sagt, wir machen einen schnellen Zeitplan und am Ende zahlen es die Stromkunden. Das wird so nicht funktionieren".

Bund und Länder wollen gemeinsam schneller aus der Kernenergie aussteigen und in erneuerbare Energien umsteigen. Die Bundesregierung wollte dazu schon im Juni ein Gesetzespaket auf den Weg bringen.
"Wir alle wollen schnellstmöglich aus der Kernenergie aussteigen und in die Versorgung mit erneuerbaren Energien um- und einsteigen", so die Kanzlerin. Von zentraler Bedeutung für die Energiewende seien Investitionen in Stromnetze, der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien sowie mehr Energieeffizienz. Merkel betonte, die drei Pfeiler der Energieversorgung – Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltfreundlichkeit – seien weiter einzuhalten. "Trotzdem ist die Sicherheit der Kernkraftwerke natürlich das oberste Gebot, und da gibt es auch keine Kompromisse. Das heißt, wir müssen uns darauf einstellen, dass wir schneller aussteigen und trotzdem eine vergleichbare Energieversorgung schaffen."

Mit einem Sechs-Punkte-Programm will die Bundesregierung die Energiewende voranbringen. Die Ministerien für Umwelt und Wirtschaft haben sich darin auf Vorschläge verständigt, um den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern, den Netzausbau voranzubringen und den Ausstieg aus der Atomenergie zu beschleunigen.

  1. Erneuerbare Energien zügig voranbringen
  2. Netze und Speicher zügig ausbauen
  3. Energieeffizienz konsequent steigern
  4. Flexible Kraftwerke schnell bauen
  5. Energieforschung neu ausrichten
  6. Bürger transparent beteiligen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte, die Bundesregierung wolle fünf Milliarden Euro an Krediten für Investitionen in Windkraftanlagen auf hoher See zur Verfügung stellen. Diese bereits vereinbarten Kreditmittel sollen über die staatseigene KfW Bankengruppe ausgegeben werden.
Als Kostenfaktor gilt neben den Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien und ins Energiesparen unter anderem der Ausbau des Stromnetzes. 

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingesetzte Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" hatte am 4. April 2011 unter Vorsitz von Prof. Klaus Töpfer und Prof. Matthias Kleiner ihre Arbeit aufgenommen. Zum Auftakt hat die Kommission in Berlin ein Gespräch mit der Bundeskanzlerin und Bundesminister Röttgen geführt. Dabei wurden die Arbeitsschwerpunkte der Kommission erörtert. Die Kommissionsmitglieder stellten dar, welche Fragestellungen ihnen vordringlich erscheinen. Die Kommission hat den Auftrag, vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan die Risiken der Kernenergie und in diesem Zusammenhang die Sicherheit der Energieversorgung neu zu bewerten.

Das Bundeskabinett hatte am 6. Juni 2011 das sofortige Aus für acht Atomkraftwerke und den stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen. Bisher ist unklar, wie die konkrete Umsetzung aussehen wird. Mit breiter Mehrheit hatte der Bundestag am 30. Juni den vollständigen Abschied von der Nutzung der Kernenergie in Deutschland eingeleitet. Am 8. Juli hatte auch der Bunderat dem Gesetzespaket zugestimmt. 
 
Ziel der Bundesregierung war es, einen breiten gesellschaftlichen Konsens und hohe Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen über die Energiewende zu erreichen. Der Grundsatzstreit über die Ausrichtung der Energiepolitik sollte überwunden werden. Dazu sollte die neu einberufene Ethikkommission mit ihren Empfehlungen eine wichtige Grundlage erarbeiten.

Ja zu beschleunigtem Atomausstieg bis 2022

Energiewende

Weg von der Atomenergie, hin zur Ökoenergie. Das ist der neue Grundsatz der deutschen Energiepolitik nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Mit geradezu atemberaubendem Tempo hat die schwarz-gelbe Koalition unter dem Eindruck von Fukushima eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen. Möglichst schnell soll die Energiewende vollzogen werden.
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Japan

Japan ist der viertgrößte Inselstaat der Welt und liegt vor der Ostküste des asiatischen Kontinents. Es besteht im Kern aus vier Hauptinseln, auf die sich auch die Bevölkerung konzentriert. Dazu kommen noch 6.848 kleinere Inseln. Mit einer Bevölkerung von über 127 Millionen Menschen liegt Japan auf Platz zehn der bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Mit 378.000 Quadratkilometern ist Japan etwas größer als Deutschland. Allerdings ist nur ein Viertel der Fläche aufgrund der gebirgigen und vulkanischen Topografie besiedelbar und wirtschaftlich nutzbar. Japan ist ein sehr erdbebenreiches Land. Ursache dafür sind Bewegungen der tektonischen Platten in der Lithosphäre, die in der Umgebung von Japan aufeinander treffen. Im Durchschnitt gibt es in Japan pro Monat 73 Erdbeben der Magnitude 4 oder höher. Das Erdbeben vom 11. März 2011 gilt als das bisher schwerste Beben.

Japan ist ein hoch entwickeltes Industrieland, das über eine breit aufgestellte und exportorientierte Volkswirtschaft verfügt. Ihre Schwerpunkte liegen im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie.Die Stärke der japanischen Wirtschaft sind ihre gut ausgebildeten, hoch motivierten heimischen Arbeitskräfte. Von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 wurde Japans Wirtschaft besonders stark getroffen. Weitere Probleme Japans sind die zurückgehenden Geburtenzahlen, die Überalterung der Gesellschaft und die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Außerdem ist der japanische Staatshaushalt stark verschuldet.

Gemäß seiner Verfassung ist Japan eine parlamentarische Monarchie mit dem Tenno (Kaiser) als "Symbol des Staates". Dem Kaiser kommen somit nur repräsentative Aufgaben zu. Die Hauptstadt Japans ist Tokio. Mit 8.483.050 Einwohnern ist sie auch die bevölkerungsreichste Stadt Japans.

Japan ist ähnlich wie Deutschland ein rohstoffarmes Land und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Um dem entgegenzusteuern, hat Japan bei der Energieversorgung auf Kernenergie gesetzt. Die Kernenergie macht ca. ein Drittel der japanischen Stromerzeugung aus. Japan betreibt derzeit 55 Kernkraftwerke. Außerdem sind zwei weitere Reaktoren im Bau und 12 in Planung. Aufgrund der großen Erdbebengefahr in Japan werden die Kernreaktoren nach strengen Bauvorschriften gebaut. Alle haben Erdbebenmessgeräte, die dafür sorgen sollen, dass bei starken Erdstößen die Reaktoren automatisch heruntergefahren werden. Vor der Gefahr eines Tsunami sollen Mauern die am Meer stehenden Kernkraftwerke schützen.


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Atomare Unfälle

Seitdem der Mensch mit Hilfe von Kernreaktionen Energie erzeugt, kam es immer wieder zu Unfällen mit oft schwerwiegenden Folgen.

Als erster großer Atomunfall gilt Sellafield, einer Atomanlage in Nordengland. Sellafield hieß ursprünglich Windscale und gehört zu den ältesten nuklearen Anlagen der Welt. Dort brach am 10. Oktober 1957 in einem Reaktor, der Brutreaktor zur Erzeugung von Plutonium für den Bau von Atombomben benutzt wurde, ein Feuer aus. Der Brand konnte erst am nächsten Tag gelöscht werden. Im Verlauf des Brandes wurde eine radioaktive Wolke freigesetzt, die sich über ganz Europa verteilte. Die britische Regierung verschwieg lange Zeit die Schwere des Vorfalls. Nach offiziellen Schätzungen gab es durch diesen Unfall 33 Tote und mehr als 200 Fälle von Schilddrüsenkrebs. Der Reaktor wurde nach diesem Unfall stillgelegt. Der Nuklearkomplex blieb allerdings aktiv und es kam zu weiteren, wenn auch nicht so schweren atomaren Zwischenfällen.

Am 28. März 1979 ereignete sich im amerikanischen Harrisburg der schwerste bekannt gewordene Störfall in der Geschichte der Atomindustrie vor Tschernobyl. Im Druckwasserreaktor des Kernkraftwerks Three Mile Island kam es durch technische Pannen und Bedienungsfehler nach einer Störung im Kühlsystem zum Schmelzen von etwa einem Drittel der Brennelemente. Infolge der geschmolzenen Brennelemente und Lecks im Kühlkreislauf traten große Mengen radioaktiver Gase aus, weshalb die Umgebung evakuiert werden musste. Harrisburg war der erste Unfall, bei dem es zu einer partiellen Kernschmelze kam.

Am 26. April 1986 kam es im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zum GAU. Aufgrund von Konstruktionsmängeln beim Reaktor und Bedienungsfehlern geriet ein simulierter, totaler Stromausfall außer Kontrolle. Der Versuch den Reaktor abzuschalten beschleunigte die Kettenreaktion noch weiter. Es kam zu einer vollständigen Kernschmelze und der Explosion des Kernreaktors Tschernobyl Block 4. Ein großer Teil des radioaktiven Inhalts wurde nach außen geschleudert. Der Reaktor brannte zehn Tage lang. Die aufsteigende radioaktive Wolke verseuchte weiträumig die Region und zog in abgeschwächter Form über Nord- und Westeuropa. Auch in Deutschland ging radioaktiver Regen nieder. Ab dem 27. April wurde die benachbarte Stadt Prypjat evakuiert. Bis zum 4. Mai wurden weitere 160.000 Menschen in einem Gebiet von 30 km evakuiert. Insgesamt wurden 210.000 Einwohner umgesiedelt.
Bis heute besteht um Tschernobyl eine 4.300 km² große Sperrzone. Das Gebiet ist für nicht absehbare Zeit radioaktiv verseucht. Das wirkliche Ausmaß der Folgen von Tschernobyl ist bis heute unklar. Fachleute schätzen die Zahl der Menschen, die an den Folgen der Nuklearkatastrophe sterben werden, auf zwischen 40.00 und 100.000 an. 4.000 Menschen erkrankten infolge des Unfalls an Schilddrüsenkrebs.

Auch in Japan kam es schon zu atomaren Zwischenfällen. Der bisher schwerste ereignete sich im September 1999 in Tokaimura. In der etwa 100 Kilometer nordöstlich von Tokio gelegenen Brennelemente-Fabrik setzte nach einer unvorschriftsmäßigen Befüllung eines Vorbereitungstanks eine unkontrollierte Kettenreaktion ein. In der Folge trat starke radioaktive Strahlung aus. Zwei von drei schwer verstrahlten Arbeitern sterben einige Zeit später eines qualvollen Todes. Mehrere hundert Anwohner wurden kontaminiert.


 

 

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Publikation

Zeitschrift Politik & Unterricht
Energie und Nachhaltigkeit
Probleme - Zielkonflikte - Lösungsansätze
Heft 4-2008
Download (PDF 3,4 MB)




Medien-Links - Spezial Japan

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